 |
NAVIGIUM 6.0, Computertraining Latein von Karl und Philipp Niederau, Aachen 1997
Mit der PC-Software Navigium 6.4 ist Lateinlernen mehr als
Pauken
Diese Lernsoftware wurde in Zusammenarbeit mit dem
Unterrichtswerk ITER ROMANUM, Schöningh-Verlag, Paderborn,
entwickelt. (Anm.)
Die Software besteht aus einer Diskette und einer CD. Diese
lässt sich nur mit der Originaldiskette auf die Festplatte
installieren. Dabei wird die Autorisation von der Diskette auf die
Festplatte übertragen. Damit aber kann die CD auf keinem weiteren
Rechner installiert werden, es sei denn, man überträgt die
Autorisation von der Festplatte wieder auf die Originaldiskette, um
das Programm auf einem anderen Rechner zu installieren. Die
Bedienung des Programms ist ausgesprochen komfortabel. Beim
Hochfahren des Programms erscheint eine Bildoberfläche mit den
Hauptmenüs, die auf jeweils 10 Buttons auf zwei Spalten verteilt
sind. Die 10 Menüs der linken Spalte können mit den Funktionstasten
F1-F10 aufgerufen werden. Sie umfassen: Anleitung,
Vokabelverwaltung, Vokabeltrainer, Stammformentrainer, Wörterbuch,
Suchfunktion, Deklinationshilfe, Konjugationshilfe, kombinierter
Deklinations- und Konjugationstrainer und Textfunktion. Die 10
Menüs der rechten Spalte umfassen eine Tabellengrammatik in Form
einer kurzgefassten Formenlehre mit Übersichten zu den Kapiteln
Konjunktionen, Subjunktionen, Gliedsätze. Diese Übersicht zeigt das
Hauptanliegen des Lernprogramms: Vokabelkenntnisse und
Formensicherheit. Ich beschränke mich in der Besprechung auf einige
wesentliche Aspekte des Programms. Die Vokabelverwaltung enthält 8
Untermenüs. Im ersten Untermenü können Vokabellektionen neu
angelegt werden. Das Programm enthält schon alle Vokabellektionen
von ITER ROMANUM, so dass Benutzer dieses Unterrichtswerkes hier
nicht aktiv zu werden brauchen. Interessant ist dieses Menü aber
für Benutzer anderer Unterrichtswerke, deren Lektionsvokabular man
hier eingeben kann. Dazu gibt man die lat. Vokabel in der Grundform
(Infinitiv, Nominativ) ein. Ein Druck auf das Button "Bedeutung
ermitteln" liefert zu dem eingegebenen Wort Genitiv, Genus (bei
Nomina), Stammformen (bei Verben), die deutschen Bedeutungen, evtl.
Anmerkungen zur Wortart (Konjunktion, Subjunktion), Hinweis auf
Modus, Kasusrektion. Leider fehlt ein Hinweis auf Satzstrukturen,
die ein Verb auslösen kann (aci, Infinitiv, dopp. Akkusativ,
Begehrssatz u.a.). Eine wichtige Hilfestellung ist die Rubrik
"Merkhilfe", in der deutsche und neusprachliche Kontinuanten des
lateinischen Basiswortes angezeigt werden. Hier aber zeigt das
Programm eine unübersehbare Schwäche: Schreibfehler - falsche
Angaben (so kommt "Arche" nicht von "arx", sondern von "arca"; "le
premier" leitet sich nicht von "primus", sondern von "primarius"
ab; "Akrobat" hat nichts mit lat. "acer" zu tun, sondern mit dem
griech. Wort für "Höhe"; "poser" kommt nicht von "ponere" sondern
von "pausare", "saggio" leitet sich von "sapidus", nicht von
"sapiens" ab, "tangere" wird nicht zu "toucher", "petere" nicht zu
"chiedere") - unvollständige oder fehlende Angaben: warum ist z.B.
zu "canis" nichts vermerkt?- Es fehlt zudem Spanisch, immerhin die
zweithäufigste Fremdsprache nach Englisch! Das Programm
berücksichtigt zwar Homografe wie "occidere" (cadere) und
"occidere" (caedere), oder "parére" und "párere". Warum aber werden
die Unterschiede nicht gleich im Schriftbild gezeigt? Nützlich ist
die Zusammenstellung der phraseologischen Wendungen. Auch die Infos
bieten wertvolle Lernhilfen durch die Angabe von Junkturen,
Sentenzen, Hinweise auf Synonyma und Antonyma und auf Möglichkeiten
der Verwechslung (parare, parere, parere). Ein
letztes Feld gibt Wortfamilie und Sachfeld für das betreffende Wort
an. Ist man mit allen Angaben zu dem Lemma einverstanden, übernimmt
man das Lemma mit einem Klick auf das Button "O.K.", andernfalls
verbessert man oder ergänzt in den betreffenden Feldern nach
Bedarf, bevor man auf "O.K." klickt. Die übernommenen Wörter
erscheinen in alphabetischer Anordnung in einem rechten Feld. Man
kann aber das aufgenommene Wort mit der Löschtaste wieder tilgen.
Nach Eingabe der Vokabeln zu einer Lektion kann man sich die
Lektion anzeigen lassen und dabei auf Fehler hin kontrollieren.
Korrekturen bzw. Erweiterungen werden über das Button "Lektion
bearbeiten" vorgenommen. In dieser Übersicht kann man sich ganz auf
die Bedeutungen konzentrieren oder die Merkhilfen, Phrasen, Infos
dazuschalten, was aber wegen der Unübersichtlichkeit zum Repetieren
der Vokabeln nicht so sinnvoll ist. Da Navigium einen lat.
Wortschatz von 7000 Wörtern und Phrasen enthält, wird man bei fast
keinem Wort in Verlegenheit kommen, es sei denn, man vermisst zu
dem Wort "tempus" - "Zeit" die Bedeutung "Schläfe", oder Wörter wie
"dubium", "nocens". Die so bearbeiteten Lektionsvokabeln müssen
natürlich gesichert werden. Wahlweise ist die Speicherung auf der
Festplatte oder auf einer Diskette möglich. Lektionsvokabeln können
aber auch ganz gelöscht oder umbenannt werden. Eine gelungene Sache
ist das Untermenü Vokabeltest. Für den Test kann die Anzahl der
Vokabeln und die Anzahl der abzufragenden Lektionen zuvor
festgelegt werden; ferner kann festgelegt werden, ob Stammformen
und die Angabe von Genitiv und Genus eines Nomens abgefragt werden
sollen, und es können Vokabeln ausgenommen werden, die dem Lehrer
nicht wichtig erscheinen (etwa weil sie nicht zum Lernvokabular
gehören.) Er kann auch die Vokabeln beliebig zusammenstellen, wenn
er etwa gezielt die Stammformen abfragen will. Das Programm wählt
nämlich die abzufragenden Vokabeln nach dem Zufallsprinzip für den
Test aus. Anschließend schaut man sich den Test an und druckt ihn
bei Gefallen aus. Wird der Test mit zwei oder drei Gruppen
durchgeführt, wählt man das Button "Test anpassen" und erhält zu
dem gleichen Pensum einen Vokabeltest, der sich vom ersten Ausdruck
wesentlich unterscheidet. Das dritte für die Lernenden wichtige
Untermenü ist der Vokabeltrainer. Man kann sich mündlich oder
schriftlich (durch Eingabe) abfragen lassen, man kann zwischen der
Abfragerichtung lt.-dt oder dt.-lt. wählen, man kann nicht gekonnte
Vokabeln wiederholen lassen, man kann alle Bedeutungen eines Wortes
verlangen und die Zeit festlegen, in der die Lösung gefunden werden
muss. Für die schriftliche Abfrage hat der Verlag sich grafisch und
akustisch viel einfallen lassen. Erfolg oder Misserfolg werden
humorvoll "illustriert" und "kommentiert". Man kann die Abfrage
auch mit einem "Risikofaktor" spannend machen, wenn alle
Bedeutungen eines Wortes gefragt werden. Dann gibt es zusätzliche
Pluspunkte oder auch Minuspunkte. Erreicht man über 90 % der
Lösungen, kann man sich in eine Liste der "optimi" eintragen
lassen. Ein Farb-Balken bei der Prozentanzeige markiert das
Verhältnis von richtiger Lösung (grün) und falscher Lösung (rot).
Je länger der grüne Anteil ist, desto erfolgreicher war die
Abfrage. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Regel, dass bei der
Lösung keine Artikel (Substantive) eingegeben werden dürfen, da die
sonst richtige Antwort als falsch geweitet wird. Bei mündlichen
Abfragen ist die deutsche Bedeutung "abgedeckt". Nach der
mündlichen Beantwortung deckt ein Mausklick auf das Button "weiter"
die Lösung auf. Danach betätigt man zur Auswertung der Leistung
entsprechend die Button "R" (richtig) oder "F" (falsch).
Sehr sinnvoll ist auch der Stammformentrainer, der mit der
Funktionstaste F4 aufgerufen werden kann. Auch hier können wie bei
den Vokabeln verschiedene Optionen gewählt werden: schriftlich /
mündlich - alle Bedeutungen - Zeit. Es wurde dabei auch an die
Benutzer gedacht, in deren Grammatikpensum das PPP noch nicht
vorgekommen ist: In diesen Fällen kann die 3. Stammform
"deaktiviert" werden. Will man sich über mögliche Formen eines
flektierbaren Wortes informieren, gibt man das gesuchte Wort über
die Tastatur ein oder scrollt im "Wörterbuch" bis zu dem gesuchten
Wort. Wird dieses Wort markiert, dann zeigt ein Klick auf die
Grammatiktaste die Deklination bzw. Konjugation des betreffendes
Wortes. Bei Adjektiven kann die Steigerung angezeigt werden.
Natürlich funktioniert die Grammatiktaste nicht bei
unveränderlichen Wörtern. Äußerst hilfreich ist die Funktionstaste
F6. Damit kann aus einem lat. Text irgendeine flektierte Form
eingegeben werden, zu der die Grundform gesucht wird, z.B. "ora".
Die Suchfunktion präsentiert 3 Lösungen: "ora" als Nom./Abl. Sg
(Küste), als Imperativ Sg. zu orare, als Nom./Akk.Pl. zu os. Nach
dem Markieren z.B. der Grundform "ora" erscheint bei Klick auf das
Button "Nominalanalyse" die Flexion des Substantivs "ora", wobei
die in Frage kommenden Formen rot unterlegt sind. Ein Klick auf das
Button "Grammatik" zeigt lediglich die Deklination des Wortes. Bei
diesem Verfahren muss allerdings die Option "Bestimmung" aktiviert
sein. Über die Funktionstaste F7 wird eine Deklinationshilfe
aufgerufen. Hier können alle im Wörterbuch auftretenden
Substantive, Adjektive (auch mit Substantiv kombiniert!),
Partizipien, Pronomina dekliniert, gegebenenfalls auch gesteigert
werden (im letzteren Fall auch Adverbien). Die Funktionstaste F8
bietet eine Konjugationshilfe für alle Verben des Wörterbuchs;
neben den personalen Verbformen werden auch Nominalformen und
Imperative angezeigt. Eine Option im Hauptmenü der Deklinations-
und Konjugationshilfe bietet auch die Möglichkeit, "Nebenformen"
der Flexion anzuzeigen, z.B. avertere vs. averterunt; civis vs.
cives. Die Funktionstaste F 9 ruft einen kombinierten Konjugations-
und Deklinationstrainer für alle im Wörterbuch befindlichen
veränderbaren Wörter auf. Das "Analyse"-Button bringt als "Hilfe"
auf einen Blick alle möglichen Formen des betreffenden Wortes. Zum
Schluss sei noch die Textfunktion besprochen, die über die
Funktionstaste 10 aktiviert wird. Hier können Texte eingegeben oder
eingeladen werden, um sie Wort für Wort mit der "Suchfunktion"
formal zu analysieren. Im "Suchmodus" erscheint der geladene Text
auf gelbem Hintergrund. Mit der Pfeiltaste "wandert" man von Wort
zu Wort. Sucht man zu einem unbekannten Wort die Grundform oder
will man die Form analysiert haben, wird mit der Eingabetaste die
Suchfunktion aufgerufen und das Wort nach Form und Bedeutung
analysiert. Möchte man am eingegebenen Text Änderungen vornehmen,
muss man in den "Editier-modus" wechseln, indem man im Menü
Bearbeiten das Untermenü "editieren" anklickt. Der Hintergrund des
Textes wird. Jetzt weiß und der Text lässt sich verändern. Äußerst
hilfreich für die Unterrichtenden ist das Menü "instrumenta" mit
den drei Untermenüs "probo", "colligo" und "comparo". Mit "probo"
kann ein eingegebener oder eingescannter Text auf solche Wortformen
überprüft werden, die dem Programm unbekannt sind. Diese
unbekannten Wörter können nachträglich ins Wörterbuch aufgenommen
werden. Fehlerhafte Formen können im Editiermodus korrigiert
werden. Mit "colligo" kann zu einem lat. Text eine komplette
Vokabellektion erstellt werden. Mit "comparo" kann der Text einer
Klassenarbeit auf Vokabeln untersucht werden, die die Schüler bis
zum Arbeitstermin beherrschen müssen. Vokabeln, die nach der
Auswertung "unbekannt" sind, können dann entweder durch bekannte
ersetzt oder in ihrer Bedeutung als "Fußnote" angegeben werden. Die
Besprechung der drei Softwareprogramme hat eine Klimax ergeben.
Während von "Arcus" selbst für die Benutzer des gleichnamigen
Unterrichtswerkes unbedingt abzuraten ist, halte ich für die
Benutzer des Unterrichtswerkes "Interesse" das Programm
"Interagere" für empfehlenswert. Omnibus docentibus discentibusque
aber sei die Anschaffung von Navigium dringend empfohlen, weil das
Programm absolut Lehrbuch-unabhängig einsetzbar ist und auf alle
gängigen Unterrichtswerke vokabelmäßig problemlos adaptiert werden
kann.
Wünschenswert aber wäre bei aller Begeisterung eine
Nachbesserung in den von mir monierten Punkten:
- Ausweitung der Anmerkungen auch in syntaktischer Hinsicht
(Vermerk von aci, Begehrssätze u.a.m.)
- Hinzunahme des Spanischen (Anm.)
- völlig neue Überarbeitung der Kontinuanten in den modernen
Sprachen (Anm.)
- Markierung der Vokallängen bei homographen
W. Siewert
Anmerkungen des Webmasters:
|